Mensch in der Digitalisierung

  • Die Digitalisierung durchdringt zunehmend sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche und beeinflusst ins besondere individuelle Arbeitsgestaltung, Zusammenarbeit zwischen Menschen sowie die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.Die Effekte der Digitalisierung werden früher und stärker auftreten als häufig angenommen.
  • Die Digitalisierung führt zu disruptiven Entwicklungen, deren Konsequenzen für die Arbeitswelt auch im Kontext anderer Entwicklungen, insbesondere des demografischen Wandels sowie weiterer quantitativer Effekte wie Einwanderung, zunehmender Frauen-Erwerbsarbeit und längerer Lebensarbeitszeit zu betrachten sind. Die Beschäftigungsszenarien sind teilweise konträr.
  • Egal, ob Wachstums- oder Schrumpfungsszenario: Die Digitalisierung führt zu einem massiven Skill-Shift, durch den existierende Tätigkeiten wegfallen bzw. sich verändern und ein Bedarf an Qualifizierung und neuen Qualifikationen entsteht. Die entstehenden dynamischen Wertschöpfungsnetzwerke lösen die starren Strukturen der Wertschöpfungsketten ab und schaffen damit neue Geschäftsmodelle.
  • Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit langfristiger und qualitativer Planungsszenarien für den Abbau, Umbau und den Aufbau von Fähigkeiten deutlich. Ziel muss es sein, eine stabile Gesellschaftsstruktur sicherzustellen und Polarisierungseffekte zu mildern. Gleichzeitig sollten sog. „Gewinner“ der Digitalisierung „Gewinner“ bleiben dürfen und i.S. einer Brückenperspektive „Verlierer“ möglichst vermieden und zu „Gewinnern“ werden können. Konzepte und Umsetzungen, die hierbei „Brücken bauen“, sind im Besonderen gesellschaftlich wünschenswert und bedürfen entsprechender Förderung.
  • Erforderlich ist dabei der chancen- und zukunftsgerichtete Blickwinkel auf eine nicht-eindimensionale, digitale Welt und nicht eine die Vergangenheit fortschreibende Sichtweise des industriellen Zeitalters (Vermeidung von zu starker Pfadabhängigkeit mit Fokus auf Maschinen-, Anlagen-und Autobau). Eine solche wird den unter(2) genannten, parallel läufigen Entwicklungen nicht gerecht.
  • Zugrunde zu legen ist ein Verständnis von Arbeit, das einerseits sämtliche Formen der Arbeit vom klassischen Angestelltenverhältnis bis hin zum Freelancer und Crowdworker sowie deren Kombination und andererseits auch Varianten der Nicht-Erwerbsarbeit wie Familienarbeit oder Freiwilligenarbeit einschließt und akzeptiert.
  • Entwicklung von Metakompetenzen, Öffnung existierender Strukturen, Förderung der Vielfalt von Arbeit, Denken in Leistungs- und Innovationspartnerschaften. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich ein Denken in Leistungs- und Innovationspartnerschaften,das an die Stelle der klassischen Differenzierung in Arbeitnehmer / Auftragnehmer einerseits und Arbeitgeber / Auftraggeber andererseits tritt.
  • In Folge ist es notwendig, sich aus einer Akteurs-Perspektive heraus mit der Frage zu beschäftigen,wie vorherrschende organisatorische und arbeitsrechtliche Strukturen zu ändern sind, um wertschaffende Leistungs- und Innovationspartnerschaften zu fördern.
  • Hierzu gehört auch die Diskussion, welche Qualifikationen,Fähigkeiten und Fertigkeiten vor dem Hintergrund zukünftiger technologischer Entwicklungen(u. a. Automatisierung, Vernetzung, Deep Learning, Künstliche Intelligenz, 3D Druck)erforderlich sind. Hierbei gilt es, nicht zwingend im Fächerdenken („mehr Informatik“) zu verharren,sondern die Metakompetenzen für digitales Verständnis und Handlungsfähigkeit in den Vordergrund der Diskussion zu stellen (siehe Abschnitt I des Positionspapiers).
  • Geht man davon aus, dass sich v. a. Kreativität und anspruchsvolles problemlösendes Denken inabsehbarer Zeit nicht durch Computer abbilden lassen, muss es das Ziel sein, neben individuellen Kreativ-Kompetenzen „kreative Ökologien“ zu schaffen.